unsereErnte - deinWintervorrat

29. November 2016

Nun ist es geschafft, die Lager sind gefüllt und nun kann der Winter kommen. Ich möchte euch ein kurzes Resumé in Worten und Bildern der diesjährigen Herbsternte geben. Wir haben viel gegabelt, gezogen, abgedreht, geschnitten, gerissen um die Wurzel, Knollen, Rüben und Köpfe für ihren Aufenthalt in ihrem Winterressort vorzubereiten. Nun liegen sie zusammengekuschelt in Großkisten aus Holz oder in Klappkisten auf Paletten und warten auf ihre letzte Reise zu euch nach Hause. Die Kisten sind bei Möhren, Rote Bete, Sellerie und Rettich mit Folie umwickelt und teilweise auch von oben mit Folie oder einer dünnen Schicht aus Sand bedeckt, damit das Gemüse nicht zuviel an Feuchtigkeit verliert und schlapp macht...der Kohl hat eine eigene Schutzschicht und verzichtet auf eine zusätzliche Ummantelung...Die Temperaturen bewegen sich gerade auf die perfekte Lagertemperatur von 0-1°C zu...wir sind dabei stark von den Außemtemperaturen abhängig...da die Kühlung mit -Tür auf, wenn kalt und Tür zu wenn warm oder zu kalt- funktioniert..

Bevor das Gemüse in den Lagerraum gewandert ist, musste es sich zum zählen und wiegen in Reihen aufstellen mit folgendem Ergebnis: Möhren ca. 3 Tonnen in 6 verschiedenen Sorten ( trotz durchwachsener Ernte, leicht mehr als im letzten Jahr); 1 Tonne Pastinaken der Sorte Aromata( dieses Jahr in guter Qualität und Größe), 450kg Wurzelpetersilie (ähnliche Menge wie im letzten Jahr); Rote Bete (gleiche Menge wie im Vorjahr, trotz Wunsch nach mehr Roter Bete besteht ca die Hälfte der Ernte aus Weißer Bete obwohl sie nur ein fünftel der Fläche angebaut wurde...die anderen Sorten sind schlecht gekeimt und oder danach tlw abgestorben); 1150 Stück Sellerie ( von uns Gärtneren im Anbau eins der beliebtesten gemüse, da sehr zuverlässig bisher...wir haben fast jede Pflanze die wir im Frühjahr in die Erde gebracht haben auch geerntet); für Zwiebeln war es ein sehr schlechtes Anbaujahr (wir haben weit weniger als die Hälfte des Vorjahres geerntet, da das Saatgut nicht gekeimt ist, positiv ist zu erwähnen, dass wir wieder so gut wie keine Lagerverluste haben)

vorweg zu allen Kohlarten: wir haben durch die Kohlhernie (einem Pilz im Boden welcher die Wurzel verkümmern lässt und dadurch die Pflanze stark in Nährstoff und Wasseraufnahme einschränkt) große Verluste gehabt in diesem Jahr und da dieser Pilz sich lange im Boden hält, brauchen wir kurz/mittelfristig weitere Anbauflächen in der Nähe als Ausweich....was wir geerntet haben: 600 Kohlrabi der Sorte Superschmelz (ca. die Hälfte der gepflanzten Stück geerntet; supergroß und trotzdem schmelzzart ); über 800 Stück Rot/Weißkohl (beim Rotkohl die größten Verluste durch Kohlhernie, ca 1/3)...und viele Rettiche, ein paar Kohlrüben...

Ein Bild von Charlie, einer unserer zwei wilden Tiger darf nicht fehlen, da ohne sie wohl ein nicht unerheblich größerer Teil der Ernte in Mäusemägen spaziert wäre... Miauuuuuu

Und wieder zeigt sich durch die Vielfalt im Anbau entseht eine stabilere Versorgung...Lebt die Vielfalt und nicht zuletzt Vielen Dank an die Erde für ihre Früchte die sie trägt und das ganze Licht was hier im Lager im Gemüse wartet um ausgesandt zu werden...

(Henry)

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden

Ernährungsrat und Nachhaltigkeit in Dresden

10. November 2016

Am letzten Montag war unser Gärtnerteam zu einer Veranstaltung eingeladen unter dem Motto " Die Region Dresden verantwortlich gestalten - Herausforderungen für eine nachhaltige Region". Gäste waren Vertreter aus Verbänden, Genossenschaften, Vereinen und aus der Verwaltung/Politik aus den Bereichen Ernährung, Wohnen und Immigration.

Ziel des Treffens war also eine Vernetzung der Akteure aus verschiedenen Bereichen um gemeinsam ein nachhaltigeres Dresden zu schaffen und Eva Jähnigen (Stadt Dresden, Beigeordnete für Umwelt und Kommunalwirtschaft) hat sich ausdrücklich erbeten das die Teilnehmer der Stadt Hausaufgaben geben. Nach einer doch etwas zu langenVortragszeit haben wir dann endlich diskutiert in kleinen Gruppen zu den Themen Wohnen (Was ist bezahlbares Wohnen...?), Ernährung (Bildung von Ernährungsräten), Bürgerbetiligung (wie können möglichst viele Menschen aus verschiedenen Milieus in Entscheidungen eingebunden werden und wie wird es zu einer "guten" Entscheidung) und zum Thema Flüchtlingspolitik.

Ich habe mitdiskutiert über das Thema Ernährungsrat unter der Leitung von Valentin Thurn (Regisseur Taste the Waste), welcher in Köln zusammen mit Bürgern und Verwaltung in Köln den ersten Ernährungsrat in Deutschland gegründet hat. Die Idee stammt aus Nordamerika und im Grunde geht es um das gemeinsame Gestaltung von Ernährungsouveränität...wie können wir uns als Stadt mit guten Lebensmitteln aus der region, welche unter ökologisch und sozial guten Bedingungen erzeugt worden sind, versorgen. Der Ernährunsrat setzt sich zusammen aus insgesamt ca. 30 Mitgliedern:1/3 aus der Stadtpolitik bzw. öffentlichen Instanzen,1/3 aus der Wirtschaft (Landwirtschaft, Handel, Gastronomie etc.) sowie 1/3 Zivilgesellschaft.

Wir haben andiskutiert welche Ziele und konkreten Aufgaben ein Ernährungsrat in Dresden haben könnte...einige Ideen waren: die Bereitstellung von öffentlichen Plätzen (z.b. für einen rein regionalen Markt), von Anbauflächen für die Erzeugung; die Förderung der Wertschätzung der Lebensmittel durch Bildung; Geld aus öffentlichen Mittel (Kantinen...) nur für Lebensmittel aus regionaler Erzeugung)

Die Zeit zum diskutieren war viel zu kurz...aber ich nehme einen gefühlten Schwung mit nach Hause, das hier eine Struktur mit dem Ernährungsrat entstehen kann, in welchem Austausch un Mitwirkung innerhalb der Stadt gestärkt werden und ich das Gefühl bekomme hier kann ich an der Zukunft der Stadt mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen mitwirken.

Am Ende sind wir verblieben, dass es auf jeden Fall ein weiteres Treffen geben wird um die Idee weiterzuentwickeln. Dazu werde ich euch Bescheid geben wenn es soweit ist.

 

Weiteres Informationen zum Ernährungsrat Köln hier.

Henry

vom ewig blühendem Blütenmeer....das Hochbeet

20. September 2016

Manchem ist vielleicht die Veränderung in unserem Eingangsbereich bereits aufgefallen: Seit Mitte Mai haben sich unsere drei Hochbeete in eine Trockenmauer mit anschließendem Hochbeet verwandelt. Für diese Arbeit danken wir unserem Praktikanten Martin Krüger, welchen wir nach drei Monaten bei DeinHof Ende Juni verabschiedeten.

Wir möchten Euch einladen, die Trockenmauer und das Hochbeet einmal genauer zu betrachten. Zu den bereits vorhandenen Kräutern gesellen sich nun einige auch ausgefallenere Arten wie Engelswurz, Mönchspfeffer, Karde oder gelber Enzian. Während die drei erstgenannten üppig wachsen, hat letzterer zugegebenermaßen noch etwas Anlaufschwierigkeiten – wir drücken die Daumen! Die Trockenmauer wurde mit Hauswurz und Sedum begrünt. Vielleicht können wir bald in der sommerlichen Hitze ein paar sich sonnende Eidechsen beobachten?

An den „Hängen“ des Hochbeetes wachsen jetzt Bergminze (unbedingt einmal die Blätter reiben!), welche auch eine ausgezeichnete Bienenweide ist, sowie Orangen- und Zitronenthymian. Etwas mickrig und kaum zu erkennen ist noch die ganz winzige korsische Minze. Und an der Mauer lädt bald die Wildtomate zum Schlemmen ein.

Ein Pflanzplan wird bald alle Gewächse für jeden erkennbar benennen.

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden

Priscillas Rückblick

16. August 2016

Meine Zeit bei deinHof war sehr schön. Dort bin ich auf ein sehr nettes und bunt gemischtes Team getroffen. Das Praktikum hat 4 Wochen gedauert und viel Spaß gemacht. Die Leute waren immer hilfsbereit, für meine zahlreichen Fragen stets offen und haben mit viel Liebe auf dem Hof gearbeitet. Diese Liebe sieht, riecht und schmeckt man am Gemüse.

Ich habe mich auf dem Hof sehr wohlgefühlt, neue Wörter kennengelernt (Beikraut statt Unkraut; „Netzaufwickelstange“) und auch ganz neue Gemüsesorten probiert, die ich bisher nicht kannte (z.B. Regenbogen-Mangold). Meine Begeisterung ist in der Praktikumszeit weiter gewachsen.

Dienstags und mittwochs ist am Hof Mitmach-Tag, zu denen immer viele nette Leute gekommen sind. In der letzten Woche meiner Lernzeit fand dann auch die „Hof Woche“ statt, in der ich auch einige Mitglieder kennenlernen konnte und mich mit Ihnen austauschen konnte. Zusammen haben wir natürlich auch vieles gepflanzt, wie zum Beispiel das erste Bohnenkraut meines Lebens.

Das Wetter hat mir auch sehr gut gefallen. Die Sonne hat meistens geschienen und ich fühlte mich fast so wie in meiner Heimat in Brasilien. Sehr gerne mochte ich auch den Storch, der uns häufig besucht hat, nachdem man mit dem Traktor gearbeitet hat. So ein tolles Tier!

Ich denke sehr gerne an die verschiedenen Gerüche des Hofes, wie dem der Zitronenmelisse, oder dem des Thymians. Ein weiterer Höhepunkt war auch das Schleudern der Bienenwaben und der leckere Geruch des Honigs.

Vielen lieben Dank von Herzen an alle Menschen, die ich getroffen habe. Liebe Grüße an Anne, Albi, Henry, Lisa, Nicola, Ralf und die anderen Praktikanten, Alice und Martin. Die erlebte Zeit bei Euch werde ich nicht vergessen und behalte Euch und den Hof im Herzen. Ihr seid ganz lieb!

Tiere bei deinHof

8. August 2016

Tiere bei DeinHof

Trixie, Ruthje oder Colorada – all dies sind keine Tiernamen, sondern blumige Sortenbezeichnungen für das, was DeinHof zusammenhält: das Gemüse. Doch dies ist noch längst nicht alles, was uns jeden Tag auf der Niederwarthaer Straße erwartet – es gibt auch so manche Abenteuer zu bestaunen und Dramen zu beweinen, die unsere tierischen Mitstreiter uns bereiten.

Morgens in aller Frühe sitzen wir beim Zuckererbsenernten auf dem Melkschemel und denken nichts böses, als plötzlich aus der Nähe der Truthahn kräht und unseren Schemel schier auf Grund der erzeugten Schallwellen ins Wanken bringt. In einem kleinen Waldstück östlich des Hofes lebt ein Paar dieser Zeitgenossen, welche ihren Namen zurecht tragen, oder besser eigentlich TRÖThahn heißen sollten. Lange war uns nicht klar, welches Ungetier da in den Büschen wohnt, bis sich einer der beiden in pfeilschnellem Flug über unseren Feldern zu erkennen gab. Wer noch nie einen Truthahn krähen hörte, stelle sich seinen Ruf am besten als Mischung aus quietschender Tür, kochendem Teekessel und Quieken eines Schweines vor.

Ganz edel schreitend und von einer vollkommen anderen Aura umgeben, begegnete uns neulich ein Vogel, den jeder kennt und der trotzdem bei seinem Auftreten immer wieder ein innerliches Jubeln und wohlige Aufregung auslöst. Wahrscheinlich, weil er mit den Zeiten unserer Kindheit bis hin zur Geburt verbunden ist. Die Rede ist natürlich von Meister Adebar, dem Weißstorch. Vor der Hofwoche machte sich Nicolas in der beginnenden Tageshitze ans Mähen der Wiese hinter dem Folientunnel. Es dauerte nicht lange bis er einen Storch als Begleiter fand. Der Großvogel schritt in gebührendem Abstand hinter dem Traktor her und ließ sich auch durch unsere neugierigen Blicke oder Nicolas‘ manchmal unvorhersehbare Wendemanöver nicht beirren. Was er da suchte war uns zu Beginn nicht ganz klar. Frösche hatten wir auf dieser Wiese noch nie quaken gehört. Ab und an stocherte er mit seinem langen roten Schnabel im frisch gemähten Heu ohne für uns erkennbare Intention. Als ihm die von uns verbreitete Aufregung dann vielleicht doch zuviel wurde, erhob er sich grazil in die Lüfte mit einer Riesenportion frisch gemähten Grases im Schnabel, welches also offensichtlich dem Nestbau dienen sollte. Bei so vielen interessanten tierischen Begegnungen kann man fast das Möhrenjäten vergessen!

Hat man gefühlte 10 Kilometer Möhrenreihen fertig gehackt und gejätet wird es Zeit für das Mittagessen, welches durch den Klang der Zwölfuhrglocke aus Kötzschenbroda herüber angekündigt wird. Neulich wurde es aber übertönt durch einen Schrei aus Lisas Munde, welcher durch Mark und Bein ging, gefolgt von einem „Kommt schnell her!“ Auf dem von der Sonne erwärmten Weg zwischen der Küche und der Sitzgruppe unter den Kiefern hatte sich etwas niedergelassen, was vielen von uns grimmigste Albträume beschert: eine Schlange! Etwa daumendick und vielleicht 40 cm lang, badete sie in der Sonne. Bald wurde sie von mindestens zehn Augen begutachtet und jeder hatte natürlich seine eigene Theorie, um welche Art es sich hier handeln könnte: „eine Kreuzotter!“ „Nein!, viel zu klein - eine Würfelnatter!“, „Ach, die sieht doch ganz anders aus – ganz klar eine Schlingnatter!“; „Leute! Das ist keine Schlange, das ist eine Blindschleiche!“ – Nun ja, letzteres konnten wir auf jeden Fall ausschließen. Das Tier war durch unsere Besserwisserei so verschüchtert, dass es sich flugs ins Gras davonmachte und einer näheren Artbestimmung entzog. Seit dieser Begegnung gehe ich mit etwas mehr Respekt durch das hohe Gras und komme mir dabei vor wie auf einer Expedition in die entlegensten Urwälder dieses Planeten.

Die wahren Dramen spielen sich jedoch meist unbeobachtet ab. Sind euch einmal die vielen trichterförmigen Gebilde unterhalb der Türschwelle der Küchentür aufgefallen? Nein, das sind keine geheimen Türen in eine andere Welt oder Einschläge von Minikometen. Was sich hier angesiedelt hat, ist die Larve des „Insekts des Jahres 2010“ – der Ameisenlöwe, oder wie auch euphemistisch das Imago genannt wird: die Ameisenjungfer. Der Ameisenlöwe gräbt sich in trockenen Sand einen Trichter an dessen Grunde er mit weit geöffneten Zangen auf Beutetiere wartet – dies können Ameisen, aber auch alle andere Tiere, die nicht zu groß sind, selbst kleine Nacktschnecken sein. Gerät ein Beutetier an den Rand des Trichters, wird es gezielt mit Sand beworfen, um so das Abrutschen in den Grund des Trichters zu fördern. Am Grunde angekommen warten schon die weit geöffneten Klauen dieses kleinen Räubers. Den Beutefang konnten wir zwar noch nicht direkt beobachten, doch konnten wir den Ameisenlöwen zum Sandschleudern animieren, in dem wir mit einem kleinen Stöckchen ein Beutetier imitierten. Stellen wir uns vor, wir seien eine kleine Ameise und müssten uns durch ein Labyrinth aus Trichtern, an deren Grunde der Tod lauert kämpfen, ist das eingangs genannte Bild von einer Tür in eine andere Welt vielleicht doch nicht so falsch.

Die Welt der Tiere ist jeden Tag präsent und es ist unmöglich ihr nicht zu begegnen: seien es die flatterhaften Lerchen, welche hoch über den Feldern wie Kolibris mit den Flügeln schlagen, der imposante Bussard, der uns die Mäuse (teilweise) vom Leib hält, die vielen vielen Insekten, Schmetterlinge, Spinnen oder die Maulwürfe und Schnecken auf deren Tätigkeit wir das ein oder andere Mal gern verzichten können.

Ein Tier jedoch liegt uns besonders am Herzen und zeigt auf, dass wir ohne unsere Begleiter keine müde Tomate und keinen filigranen Fenchel ernten könnten: (frei nach einem Buchtitel)

„Der Gärtner ist immer der Regenwurm“.

 

Martin K....ehemaliger Praktikant und Mitglied bei deinHof

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden
Die Höhle des (Ameisen) Löwen

Die Höhle des (Ameisen) Löwen

Martin bei der Kirschernte aufn Hof im Sommer

Martin bei der Kirschernte aufn Hof im Sommer

Der gemeine Tröthahn besser bekannt als Fasan (Foto:April 2007, T. Stenzel)

Der gemeine Tröthahn besser bekannt als Fasan (Foto:April 2007, T. Stenzel)

Hof-Exkursion vom Permakultur-Design-Kurs

29. April 2016

Nach vielen Jahren findet im Raum Dresden wieder ein Permakultur-Design-Kurs statt. Dieser sogenannte 72h-Zertifikatskurs basiert auf dem international anerkannten Curriculum und bildet die Voraussetzung für die Weiterbildung zum Diplom-Permakultur-Designer. Veranstaltet durch der Permakultur-Akademie, unterrichtet von Judit Bartel, Ulrike Meißner und Sebastian Kaiser, nehmen an diesem dreiteiligen Kurs sechzehn Permakultur-Begeisterte teil, die gemeinsam das Handwerkszeug für den Wandel erlernen möchten.
Während des zweiten Teils, der auf dem Hof von Uli in Kettewitz bei Meißen stattfand, besuchten wir im Rahmen einer Exkursion die Solidarische Landwirtschaft deinHof Mitte April in Radebeul. Julia, Chris, Josi und Katrin schildern hier ihre Eindrücke:

Nach einer  herzlichen Begrüßung von Gärtnerin Anne und Lena, die als aktives Mitglied der Community verantwortlich für Internes und  Kommunikation ist, gab es eine ausführliche Gelände-Führung. Laut Anne werden im Laufe der Saison vierzig verschiedene Kultursorten angebaut, die wir  in ihren jeweiligen Entwicklungsstadien, unterschiedlichen Anbautechniken sowie Pflege- und Ernteansprüche sehen konnten. Schnell wurde ersichtlich, dass sich die SoLaWi hier sowohl von konventionellen Groß- als auch von klassischen Bio-Betrieben unterscheidet. Von jeder Sorte werden eher relativ wenige Reihen bzw.  Beetabschnitte bepflanzt oder ausgesät, um so in der Lage sein zu können, auf die individuellen Ansprüche der einzelnen Kulturen mit angemessener Bewirtschaftungsweise reagieren zu können. Dabei sind die Gärtner (augenscheinlich sehr erfolgreich) darum bemüht, den Spagat zwischen ökonomischer Effizienz („es muss ja auch bearbeitbar und zeitlich machbar sein“) und ökologischer Nachhaltigkeit („wir wollen den Boden gern bedeckt halten und experimentieren im Moment viel mit Mulch und Gründüngung) zu meistern. Uns imponiert das, denn immerhin ernähren die aktuell 130 Ernteanteile  in der Region ca. 250 Menschen.

Damit deren Versorgung auch im Winter und zeitigen Frühjahr gewährleistet ist, gibt es Lagerkapazitäten sowie einen großen Folientunnel mit Salaten, Kräutern und geschickter Besatzstaffelung.

Nach dem Rundgang kuscheln wir uns mit Tee, Kaffee, Obst und Keksen ins gemütliche Büro, dort beantworten Anne und Lena unsere zahlreichen Fragen mit Geduld und Sachverstand. Merklich regt sich in manchen von uns der Wunsch nach einer SoLaWi am eigenen Ort, sodass die Fragen zunehmend fachlich detailliert wurden und sich auch um die finanziellen Aspekte drehten. Die ehrlichen und kompetenten Antworten führten schließlich dazu, dass wir die SoLaWi mit einer Menge an neuem Wissen, gefestigten Visionen und vielen Aha-Momenten verlassen haben. Eine Kernerkenntnis für uns war, dass mit guter Planung Nutzen und den Aufwand eines solchen Vorhabens alle Beteiligten einen wertvollen Ertrag erzielen können, vom einzelnen Ernteteiler über das Bodenleben bis hin zu den Gärtnern. Und das in einer nicht-marktwirtschaftlichen Betriebweise!

Ergänzend dazu folgt hier ein Auszug zu angewandten Permakultur-Prinzipien, die wir auf dem Hof entdecken konnten:

  • Unter den Ernteteilern finden regelmäßig Umfragen zu Gemüsewünschen, -mengen und -nutzung statt. Hier wird immer wieder beobachtet und auf Feedback eingegangen.
  • Mit Hilfe des Folientunnels wird die Wärme der Sonne, also Energie gesammelt und gespeichert.
  • Der Hof ist ein produzierender Betrieb und erwirtschaftet so Ertrag, die Beteiligten können von ihrer Arbeit leben.
  • Pflanzenabfälle und Erntereste werden kompostiert und zum Mulchen wiederverwendet, so werden Kreisläufe geschlossen und kein Abfall erzeugt.
  • Bei der Sortenwahl setzen die Gärtner auf Vielfalt, so fallen einzelne Ernteausfälle einer Kultur insgesamt nicht so ins Gewicht fallen.
  • Die Handsämaschine ist beispielhaft für kleine und langsame Lösungen statt energieintensiven Ressourceneinsatzes.
  • Die SoLaWi wird von Mitglieder getragen, diese bezahlen nicht für Gemüse, sondern dafür, dass es eine gute Landwirtschaft gibt. So ist der wirtschaftliche Druck (dem Gemüsebau-Betriebe sonst ausgesetzt sind) reduziert und für die Gärtner besteht die Möglichkeit, mit verschiedenen Strategien nachhaltigen, bodenschonenden Anbaus zu experimentieren. So ist Raum für Flexibilität, angepasste Lösungen und kleine Schritt

 

Vielen Dank für die spannende Führung , die anregende Inspiration und die tollen Eindrücke einer zukunftsfähigen Landwirtschaft! Alles Gute für euch!

 

Einleitung von Sebastian Kaiser, Text von den Teilnehmern
Fotos von Christiane Kupfer

 

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden

gärntern im Frühjahr 2016

19. April 2016

Diese Frühjahr ist vor allem April. Aprilwetter. Zwischen Sonne und Regen, selten ein kleiner Hagel und in besonderen Augenblicken alles auf einmal: ich strecke das Gesicht in die Sonne und werde naß und bewundere den blassen Regenbogen über den Weinbergen. In der Regel bin ich in diesen Wochen falsch gekleidet, schwitze in meinen Gummistiefeln und ärgere mich im nächsten Moment, dass ich schon wieder meine Regenjacke drin gelassen habe - oder aber den Sonnenhut. Die am Montag erstellten Wochenpläne verwerfen wir spätestens am Dienstag. Als wir das Folienzelt mit den neuen Kulturen bepflanzt haben, hatte es gerade vorher noch mal geschneit. Nachdem der Winter nicht kalt wurde, wird nun das Frühjahr nicht warm. Vielleicht ist es auch nur ein ganz normaler April und die Verwirrung kommt aus den letzten Jahren, in denen der Frühling so warm und trocken war. Wir haben Rhabarber gepflanzt. Letztes Jahr wurde Pferdemist aus direktester Nachbarschaft zu Kompostmieten aufgesetzt, nun haben wir ihn auf die Flächen gebracht, dort wo später der Kohl wachsen wird, denn dieser braucht viele Nährstoffe. Und neue Kompostmieten werden wieder aufgesetzt, wieder aus Pferdemist. Im Folienzelt wachsen nun die Salate, verschiedenste Salate: Asia, Polstelein, Hirschhornwegerich, Rauke, natürlich auch Kopfsalat und Eichblatt. Auch Kräuter, Radies, Kohlrabi, Mairübchen und Spinat warten schon im Folienzelt auf baldige Ernte.

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden

Mein Traktor-Mitmachtag

28. März 2016

Am 12. März war es mal wieder an der Zeit, sich um die schwere Technik auf dem Hof zu kümmern. Das betraf vor allem die Traktoren, sodass dieser Mitmachtag naheliegender Weise als "Traktortag" ausgerufen wurde. Henry und Lisa wurden dabei von der AG Technik (Udo und Mirko) sowie von Silke, Martin und Raphael unterstützt. Sehr erfreulich war es, dass uns darüber hinaus Baber aus Pakistan seine Hilfe angeboten hat, der nach eigenen Angaben über einige Erfahrung mit der Wartung und Instandhaltung von Traktoren verfügt. Da er in erster Linie Urdu spricht, wurde er von einem Freund begleitet, der von Urdu ins Englische und wieder zurück übersetzte.

Gegen 10 Uhr startete unsere überschaubare Gruppe mit der Arbeit. Zunächst wurden die Traktoren warm gefahren, um den anstehenden Ölwechsel vorzubereiten. Parallel dazu wurde ein großes Rohrstück, das Udo besorgt hatte, dafür vorbereitet, in eine Walze umgebaut zu werden. Dazu musste das etwa 2 Meter lange Stück um etwa 50 cm gekürzt werden. Dank der beiden vorhandenen Flexgeräte ist das nach entsprechender Zeit auch tatsächlich gelungen, sodass anschließend Udos Planungen zur Umwandlung des Rohrs in ein Walzwerkzeug in die Tat umgesetzt werden konnten.

Auch an den Traktoren selbst gab es für Groß und Klein jede Menge zu tun, sodass die Zeit wie im Flug verging. Neben dem erwähnten Ölwechsel wurden zum Beispiel die Roststellen behandelt und die Schmierstellen gefettet. Außerdem wurde der "neue" Traktor von seinem Verdeck über dem Fahrersitz befreit, sodass Henry (und alle, die sonst noch mit dem Traktor fahren) nun in alle Richtungen freie Sicht hat und sich ungehindert die Ackerluft um die Nase wehen lassen kann.

Hoffen wir gemeinsam, dass sich die Fürsorge, die wir unserer Landmaschinentechnik haben angedeihen lassen, in einer langen Lebensdauer unserer stählernen Helfer auszahlen wird.

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden
Resumé von Raphael...7 Jahre und Fotograph des Mitmachtages

Resumé von Raphael...7 Jahre und Fotograph des Mitmachtages

Vereinsgründung

11. Januar 2016

Was lange währt…

Hipp hipp hurra! Kurz nach Silvester erneutes Sekt-Korken-Knallen. Wir feiern nicht das neue Jahr, wir feiern einen Meilenstein in der Entwicklung von deinHof. Seit heute 17:04 Uhr, nachdem zwei Mal die Hände der 16 Anwesenden für die einstimmige Zustimmung zur Satzung und zu den Vorstandskandidaten nach oben gingen, sind wir ein Verein! Der heute erfolgte formelle Gründungsakt mit feierlichem Unterzeichnen der Satzung und Sektgläser-Klirren (naja, es waren Tassen)  ist das glückliche Ergebnis eines langen Prozesses intensiver Arbeit an unserer Rechtsform. In mehreren Plena wurde im letzten Jahr die von der Rechtsform-AG ausgearbeitete Satzung diskutiert, angepasst und erneut besprochen. Zudem hat die Rechtsform-AG alle notwendigen Formalitäten vorbereitet. An dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Mitglieder der AG sowie an alle, die mit an der Satzung gefeilt und der Vereinsgründung den Boden bereitet haben. 

Ab der neuen Erntesaison werden nun also alle Mitglieder Teil des Vereins sein und die Gärtner von Verwaltungsaufgaben und der bisher alleinigen Haftung entlastet sein.

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden

Meine Zeit bei deinHof....

11. Januar 2016

Spät aber immerhin, ihr kennt mich ja.

Für mich Persönlich war das Jahr beim Hof ein sehr bewegendes. Es ist unglaublich viel passiert in meinem Innen und Außen. Und die alte Barracke, der grüne Hugo, die wunderbare Erde, Henry Lisa Anne Albi Streffi, Chista, Ralf und das ganze Gemüse haben keinen unerheblichen Einfluss darauf gehabt.

Als ich beim Hof angefangen habe, hatte ich nicht den blassen schimmer wann Möhren eigentlich wachsen oder was ein schwarzer Rettich ist. Und ich wollte jetzt auch endlich mal ernsthaft die Welt retten anstatt nur zu schimpfen, und hatte gehört mit Gärtnern ginge das wohl. Ich musste also dort hin und endlich etwas über Gute Nahrung, was Pflanzen brauchen, der Erde einen Dienst erweisen und, tatsächlich auch, mich zu lernen.

Die Zeit der Ernte und der Einkehr.

Nachdem ich, gleich zu beginn, mitten in den Riesigsten Ernte-Trubel meines lebens hinein geraten war und nicht recht gestaunt habe was es alles gibt und wie unglaublich viel Arbeit darin steckt diese dinger dann auch noch alle auf ihre weise zu pflücken und wie dreckig das alles ist, kam auch ziemlich schnell der Winter.

Er war kalt und teilweise auch einsam, und es war nicht immer ganz einfach zu dritt die ganze Zeit aufeinader zu hängen. Vor allem wenn ein solches Projekt am Leben gehalten werden will und die beteiligten alle nicht immer ganz einfach zu Händeln sind. Aber ich habe Lauch erntend im Schnee gesessen, eine Million Möhren angefasst, gecheckt das man mit 2 hand voll Würzelgemüse-Sorten den ganzen Winter über die Kulinarischsten Abwechslungen Zaubern kann und das Salat auch Jetzt wächst und wie nervig es ist Wasser kochen zu müssen um dann draußen in der kälte den abwasch zu gestalten, nachdem er mal wieder 2 wochen aufschub genossen hat. Es gab stille Momente mit Henry allein mit dem Salat und mit Lisa und ihrer Saatmaschiene den ganzen Tag Samen zählend am Feuer.

 

Der Trubel beginnt langsam, die Hitze kommt.

So langsam schlich sich der Frühling ein und ich saß gefühlt nur noch auf meinem Arsch, oder kniete, und zupfte, kaum voneinander zu unterscheidende, grüne Keimlinge aus der Erde. Den ganzen Rest meiner Zeit dort. Nur das. Mehr nicht. Jedenfals hat es sich so angefühlt...

Außerdem war da aber noch die Erde, die plötzlich warm war und in die man seine Füße und Hände stecken konnte, während die Sonne einen von oben durchgebraten hat. Wir haben den ganzen Sommer über mit Wasser rum gespielt und ich habe meine Schuhe nie mehr wieder an gezogen.

Nun war die Hitze das Problem. Es hat gut getan sich den Elementen so ausgeliefert zu sehen und meine eigentliche Ohnmacht der Natur gegenüber zu spüren. Und die Stärke des Jahres, wie es sich dreht und welchen Einfluss es auf mich hatte mit seinen Fassetten.

Was mich besonders umgehauen hat, war das gefühl die klitzekleinen Pflanzen alle einzeln, so behutsam aber auch schnell wie möglich, in die Erde zu bringen und sie dann immer immer immer riesiger werdend zu sehen bis sie den ganzen boden bedecken, riesige Früchte bilden oder dich um längen überragen -ich hatte zwischen den Gurken das gefühl in einem Urwalt zu stehen- und das alles selbst gemacht und umsorgt zu haben.

Der Sommer war eine Zeit in der der Hof nicht nur Pflanzen erblühen ließ, sondern auch Soziale Prozesse: auf einmal gab es so viel zu Ernten und essen das dauerd die unterscheidlichsten, tollen Menschen zu helfen, lernen oder dinge bauen vorbei kamen und ein ganzschüner Trubel entstand. Trubel und gewimmel hat sich zu hauf entwickelt wenn man mal genauer hingesehen hat, wenn man eine Pflanze aus der Erde nahm- ich hab in meinem leben noch nie so viel lebendiges aufgeschäucht. Das war alles wunderbar zu erleben.

Auch war der Sommer die Zeit in der ich mich getraut habe mehr Verantwortung zu übernehmen, mit startschwierigkeiten- danke für die Hilfe, und die Gemüse-verteilerung zu machen oder einzelne Sorten immer selbständig zu ernten.

Gemüse anbauen ist nicht nur Pflanzen, Gießen und dann glücklich ernten sondern eine Wissenschaft für sich, bei der ich oftgenug nicht verstanden habe von was genau die 4 da sprechen.

Da waren Quecke und Winde- unsere erklärten Todfeinde, Henry stundenlang auf dem Traktor in der Sonne mit weißem Hemd, Ralf der alles hat und alles kann aber gern mal auf sich warten lässt, die spirituellsten gespräche mit Albi, Lisa die den Takt vorgibt, Anne wie sie Lächelt, unendliche Netz-auf-machen/ Netz-wieder-eingraben-Aktions, Feste, Lachen, Streit, Kochen, ein Kompost Klo, stachelnde Zuchini, die 2 Kuschel Katzen die immer eine Maus im Maul hatten, ausgerissene Ziegenböcke, 1000 Kräuter zum sammeln, fermentierter Mulch, Brennessel Jauche und noch so vieles mehr.

 

Der Kreis schließt sich.

Als im Herbst das ernten wieder begann haben sich die Dinge wieder beruhigt und für mich zum ersten mal wiederholt. Und so langsam schlichen sich die Gedanken ein wie mein Leben, nach dieser Pause mit harter Arbeit in der Natur, weiter gehen soll und ich habe den Schritt voll wehmut von MeinHof gemacht um finally Heilpraktiker zu werden, früher oder später.

Danke für die Erlebnisse, die Lernerfahrung, das Lachen und das ihr mich ausgehalten habt, ihr seid herzensgute Menschen die sich übelst den arsch aufreißen.

 

Auch jetzt noch unterstützt mich der Hof, indem er massen an Thymian spendet den ich bei meiner neuen Aufgabe, in der provisorischen Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen, allen die kränkeln in die hand drücken kann, wo sonst kaum oder nur unzureichende symptomatische Mittel zur verfügung stehen. Und die Menschen freuen sich noch so sehr. Danke auch dafür. (Thymian auf Arabisch übrigens: Sater. Ich bekomm es aber selten hin es so auszusprechen das nicht über mich geschmunzelt wird)

 

In diesem Sinne- Kapitalismus weg gärtnern!

 

Tom Hüther FÖJ`ler Oktober 2014 bis Sebtember 2015

Weitere Bilder anzeigen Bilder ausblenden